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In der Berufungskommission für eine neue Professur wird ein Ausschreibungsprofil für die Bewerberinnen und Bewerber erarbeitet, im Institutsbeirat werden Weichen gestellt für die weitere Entwicklung eines Faches und in der Studienkommission neue Prüfungsordnungen formuliert - immer dabei ein oder mehrere Studierende aus den Fachschaften. Was viele nicht wissen? FachschaftlerInnen sitzen nicht nur im Fakultätsrat (Entscheidungsträger einer Fakultät), sondern auch in Kommissionen, welche die Vorarbeiten für den Fakultätsrat leisten: Studien-Berufungs-, Bibliotheks- u. Strukturkommissionen; daneben Institutsbeiräte oder in weiteren Ausschüssen.
Im Einzelfall wählt die Berufungskommission drei BewerberInnen aus, die als Vorschlag in den Gremien diskutiert werden: Zunächst im Fakultätsrat, dann im Senat und schließlich im Hochschulrat - ohne FachschaftlerInnen geht da nichts. Hier zeigt sich die Zusammenarbeit von unten nach oben, von der Basis an der Fakultät bis in die höchsten Gremien der Universität, den Senat und Hochschulrat. Schon bei der Vorauswahl in der Berufungskommission diskutiert die betroffene Fachschaft. - In der Neuphilologie erweitert sich der Kreis der Studierenden meistens auf fünf bis sechs Fachschaften im gemeinsamen Brecht-Bau-Plenum, um über die Vorstellungen der Studierenden zu sprechen. Fachschaften sind immer ein Thema:Für Erstsemester eine erste Anlaufstation, für studentische Initiativen ein Gesprächspartner, für ExamenskandidatInnen Archivpool (manche Fachschaften haben mündliche Prüfungs-protokolle etc.). - Wenn sie gebraucht werden, stehen sie allen zur Verfügung. Hier beginnt die Basisarbeit der freien und unabhängigen Fachschaften: Sammeln und Austausch von Information, Streiten über Inhalte und Ziele bis hin zur Entwicklung von Strategien für die einzelnen Studierenden in den Gremien. Hier holen sich die "EinzelkämpferInnen" Rat bei anderen Studierenden, hier bildet sich ein Netzwerk um die GremienvertreterInnen, um erstens diese tatkräftig zu unterstützen und zweitens möglichst mehr Studierende an den Entscheidungen zu beteiligen. Basisdemokratisch: Über Studienkommissionen, Fakultätsrat, Senat bis hin zum Hochschulrat werden die Argumente der FachschaftsverterInnen in die Gremien eingebracht: Die Basis der Fachschaften gibt ihre Vorbehalte oder ihren Zuspruch weiter UND unsere VertreterInnen versuchen in den höheren Gremien Fachbereichsprobleme zu vermitteln (siehe auch Netzwerk-Kasten). - Andere politische Hochschulgruppen bekommen da erst gar nichts mit von den einzelnen Problemen an den Fachbereichen bzw. sind an der Ent-wicklung selten oder nicht beteiligt... Was heißt FREIE und UNABHÄNGIGE Fachschaften? Vom Gesetzgeber werden nur die VertreterInnen des Fakultätsrates und der Studienkommission als Fachschaft bezeichnet, d.h. sechs Studierende sprechen für die gesamten Studierende in einer Fakultät. Dagegen wollen die freien und unabhängigen FachschaftlerInnen - als freier Zusammenschluss aller Studierenden einer Fakultät bzw. eines Fachbereichs - eine breitere Mitbestimmung, einen breiteren Konsens in der Studierendenschaft herstellen. Natürlich klappt das nur in Ausnahmefällen, da nur eine kleinere Gruppe sich aktiv an der Fachpolitik (Gremienarbeit, Verbesserung von Studien-bedingungen etc.) eines Faches beteiligt. Jeden Tag an der Uni präsent: FachschaftlerInnen sitzen nicht nur in den Verwaltungsgremien, sondern leisten kulturelle, soziale und gesellschaftspolitische Angebote: Ausrichter von Clubhausfesten, Fakultätsfeiern, Filmveranstaltungen, Fachbereichscafetén etc. Unterstützer von Theater- und Musikgruppen, Kinderzimmern, studentischen Initiativen etc. pp. Förderer studentischer u. allg. Interessen Berater und Informationsbörse für Schüler, Studierende und außeruniversitäre Gruppen - um nur einen Teil der Aktivitäten zu nennen. Aber ohne ihre Basisarbeit würde viel weniger Kritik oder Zustimmung an den Instituten von studentischer Seite aus existieren und In-formationen würden regelrecht ‚im Sand versickern': DENN desto wichtiger eine Sache wird, desto schneller werden Informationen an die Öffentlichkeit getragen (Flugblätter, Räte-Zeitung, Infoveranstaltungen, Fach-, Haus, Studentenvollversammlungen etc.) und Wider-spruch (‚Mitbestimmung') organisiert. Was ist die Räte-VV oder die Fachschaftsräte-VV? Da viele Probleme nicht allein auf der Fachbereichsebene von den einzelnen Fachschaften gelöst werden kann, hat sich ein Netzwerk gebildet: VertreterInnen der einzelnen Fachschaften bilden zusammen die Fachschaftsräte-Vollversammlung (auch Räte-VV), um gemeinsame Strategien zu entwickeln über Fachpolitik, Hochschulpolitik, Bildungs-politik, Wissenschaftskritik (Auseinandersetzung mit dem Angebot von Lehre und Forschung) bis hin zu allgemeinpolitischen Ereignissen - immer mit dem Verständnis das gesellschaftliches Handeln politisch ist und dass sich dies bereits zeigt, wenn es um zukünftige Entwicklungen in einem Fachbereich (Abschaffung, Kürzungen, Verlagerung der Studieninhalte oder der Schwerpunkte eines Forschungsbereichs etc.) handelt. Netzwerk und Interaktion: Erst mit dem Austausch über mehrere Fachbereiche hinaus ist ein uniweites Agieren möglich. Die Fachschaften koordinieren Themen, Aufgaben, Probleme, Inhalte etc. Die Räte-VV dient der Mitsprache aller einzelner aktiven FachschaftlerInnen; von hier aus werden Themen wieder an die Basis zur Mitbestimmung zurückgereicht oder umgesetzt. Daneben wer-den gemeinsam getragene Meinungen durch die VertreterInnen im AStA, Senat und Hochschulrat abgestimmt... Die Räte-VV will nicht nur eine "SMV", eine reine Interessensvertretung sein, sondern sie möchte auch auf gesellschaftliche Prozesse wie Bildungs- und Wissenschaftspolitik einwirken (das fängt bei den Prüfungsordnungen an und hört nicht beim Hochschulrahmengesetzt auf). Wissenschaft hat eine starke Wirkung auf die Gesellschaft und menschliches Leben (Präimplantationsdiagnostik betrifft alle Teile der Gesellschaft). Nach dem Verständnis der Räte-VV, ist die Aufgabe der Universität, der Lehrenden und Studierenden, nicht nur Wissen und Fähigkeiten zu lehren oder zu erlernen, sondern auch über das was sie tun nachzudenken, der Gesellschaft auch in ethischen und sozialen Fragen verpflichtet sein. Die Räte-VV bildet ein Netzwerk in Tübingen und arbeitet mit anderen Studierenden im Land und Bund zusammen. Sie setzt sich mit verschiedenen Konzepten der Bildungspolitik der einzelnen politischen Parteien und Verbände (z.B. Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Bund der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler) oder dem Wissenschaftsrat in Berlin auseinander und sucht ihrerseits Verbündete, um ihre Vorstellungen sowie ein selbstbestimmtes Studieren einzufordern. Warum also die Fachschaften unterstützen? Die Hauptarbeit der Fachschaftlerinnen und Fachschaftler geht leise und meistens unmerklich vonstatten in den einzelnen Gremien - das wird leider von den meisten Studierenden nicht wahrgenommen. Zwar betreiben die Fachschaften Öffentlichkeitsarbeit zu wichtigen Themen, aber das ist immer nur ein Teil dessen, was sie wirklich leisten. Da können andere Hochschulgruppen leicht mal ein oder zwei öffentlichkeitswirksame Aktionen betreiben und sich als "die Guten" (GHG), die pragmatisch Vorantreibenden (Junge Union) - Pardon! - wichtig tun, oder schnell einmal kurz eine Veranstaltung vor die Uniwahlen legen (LHG), um Aufmerksamkeit zu erhaschen. - Nur um mal die Relationen deutlich zu machen... Was gibt es zu gewinnen? Oft wird gesagt: "Das bringt doch kaum etwas!" Das stimmt definitiv nicht. Der Einzelne hat immer Möglichkeiten, nur sollten die Erwartungen nicht immer gleich allzu hoch geschraubt werden. Ein Beispiel: Die Bibliothek der Neuphilologie sollte drastisch in ihren Öffnungszeiten begrenzt werden (Sachzwang: kein Geld mehrt da!). Bevor der Fakultätsrat zur Abstimmung schreiten konnte, riefen die Fachschaften am Brecht-Bau zu einer Besetzung der Bibliothek auf, um dies zu verhindern: Pressewirbel, Umfragen wurden gestartet, ein Komitee bildete sich, welches mit den Professoren und Bibliotheksleitung sprach, die Bibliotheks-kommission und MitarbeiterInnen der Aufsicht wurde miteinbezogen. Es kamen ca. 200 Studierende am Abend und es wurde diskutiert und Forderungen gestellt - nach dreiwöchiger Zwischenlage erklärten sich die Professoren und die Fakultätsleitung bereit Geldmittel zu verschieben. Was hatten die Studierende erreicht? 50% der Schließungen wurden zurückgenommen, weitere angedrohte Verschlechterungen der Öffnungszeiten für die nächsten Jahre verhindert. Nicht immer ist es 50% oder gar 100%, meistens sind es nur kleine Schritte, aber die Fachschaften versuchen zumindest etwas mitzugestalten. Und heute? Gegenwärtig beträgt der Gewinn 75%, denn im Laufe der Zeit gab es mehrere Initiativen, um die Studienbedingungen stetig zu verbessern. Na, nicht Lust auch was zu bewegen? |